07. februar 2016 seminar dr. gerd heuschmann: zügellahmheit


alexandra und ich waren schon sehr gespannt. natürlich habe ich das buch finger in der wunde gelesen und schätze dr. heuschmann als tierarzt und pferdemensch. er hat in der dressurwelt viel revolutioniert und die finger in die wunde gelegt.

das seminar begann um 9h in altlenkbach im hotel steinberger. dr. heuschmann ist ein sympathisscher sehr engagierter tierartzt. in viele dingen gebe ich ihm recht, manches sehe ich wieder anders. das er kein fan von handarbeit ist, hat er gleich zugegeben. diese meinung teile ich mit ihm überhaupt nicht, da man vom boden aus die pferde sehr gut vorbereiten, helfen, unterstützen und korrigieren kann. er korrigiert und arbeitet pferde, egal ob remonte oder korrekturpferd im vorwärts. das hat durchaus seine berechtigung, aber eben nicht immer. da muß man klar differenzieren. es kommt auch auf das einzelne pferd an und die kann man bekannterweise nicht alle über einen kamm scheren. er zitiert sehr oft steinbrecht, wätjen, podhajsky und lörke. nach dem motto: reite dein vorwärts und richte es gerade. baucher, philippe karl sind nicht so seine freunde und das gibt er auch offen und ehrlich zu. weiters verurteilt er das zu frühe versammeln junger pferde mancher ausbilder aus dem französischen lager und das dies ein trend wäre, den er nicht gut findet. da bin ich auch ganz seiner meinung.
sehr interessant fand ich seine arbeit an der longe, bei einen in der rollkur gerittenen verdorbenen pferd. das longiert er am kappzaum auf großen linien und schickt es vorwärts. ganz egal wie es läuft. für ihm zählt einzig das der verhaltene unnatürliche gang verschwindet und die pferde wieder gesund vorwärts gehen. ich würde aber mit solchen pferden lieber ins gelände gehen. an der longe wäre mir das zu riskant. es ist mehr zentrifugieren als longieren. mir als eingefleischter longenkursler widerstrebt das sehr. aber anhand von fotos und videos dokumentierte er positive veränderungen.
sein wissen über biomechanik ist enorm. er nimmt sich kein blatt vor den mund und zeigt die irrwege im dressursport auf. anhand des beispiels zügellahmheit:- das kommt von der groben einwirkung und handreiten wie sie heute im sport so oft zu sehen ist. das sich die deutsche fn nicht immer so zurückhielt wie es heute leider noch immer der fall ist, erzählte er in dieser geschichte: ein verstorbener, bekannter dressurausbilder arbeitete unter anderem mit einen damals bekannten zirkus zusammen. spektakuläre, exalierte trabtritte übernahm er in sein training. das pferd wurde auch so am turnier vorgestellt. besagter ausbilder bekam von der fn einen bösen brief, er solle doch bitte seine pferde reell ausbilden und sie nicht abrichten……
namen hat er keinen genannt, ich vermute allerdings wem er meinte….

nach dem mittagessen fuhren wir auf die islandpferdeakademie hestafolk. ein sehr netter stall, wunderschön gelegen. die pferde waren ganz verschieden. zuerst kamen drei warmblüter und dann drei isländer. die warmblüter wurden nett vorgestellt, keine großartigen korrekturpferde. was mir so gar nicht gefallen hat war: dr. heuschmann im sattel! da sollte er meiner meinung bleiben lassen. die einwirkung grob, das pferde konnte mit der korrektur nichts anfangen und kannten sich nicht aus. er meinte, er müsse das pferd „anpacken“ mit viel handeinwirkung und sporeneinsatz, da es nicht fein zu reiten sei und kein damenpferd wird. der große braune wird von zwei damen geritten. er hat das gezeigt, was er vormittags so verurteilt hat. ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum er das tut. er verliert doch an glaubwürdigkeit. der große braune ging um keinen deut besser als vor seiner korrektur. die große und positive überraschung kam dann mit den kleinen isis! die liefen wirklich gut und die beiden reiterinen waren fein in der einwirkung und die pferde standen an den hilfen und waren reell ausgebildet. besonders der 11 jährige hengst war ein augenschmaus! so gut gerittene isländer habe ich davor noch nie gesehen. da hat er auch gut unterrichtet und korrigiert. beide paare liefen am ende besser. er hat auch das sattelproblem einer reiterin angesprochen und ihr geraten dem pferde zuliebe abzunehmen, da der sattel kürzer sein müsste, sie eine kleinere sitzfläche bräuchte. denn dann drückt er nicht mehr in den lendenwirbel bereich. das ganze hat er sehr charmant und nett verpackt.

resume: der theorieteil war gut. vieles wußte ich schon vom longenkurs und den seminaren mit dr. kastner. aber es schadet nicht immer wieder aufzufrischen. von den reiteinheiten hätte ich mir mehr erwartet. ich muß aber zugeben, da liegt meine latte sehr hoch. an ausbilder wie uta graef, ingrid klimke, britta schöffmann und klaus balkenhol kommt er nicht heran. thema unter anderem war ja losgelassenheit und dehnungshaltung. das zeigen die besagten herrschaften einfach besser! sein korrekturberitt war entsetzlich. er würde den pferden und auch sich einen großen gefallen tun, nicht in den sattel zu steigen. viel besser fände ich die idee einen guten reiter mit dem er auf dauer zusammenarbeitet zu unterrichten.